Eurotrack

Policy

Rumänien ruft Alarmzustand im Energiesektor wegen Donau-Niedrigwasser aus

· Energiepolitik · aktualisiert am

Länder
🇷🇴 Rumänien
Ereignis
Rumänien ruft für August den nationalen Alarmzustand im Energiesektor aus (Donau-Niedrigwasser, KKW Cernavodă)

Stromerzeugung und Netzstabilität: Beide Reaktoren des KKW Cernavodă (je 700 MW) sind wegen fehlenden Kühlwassers abgeschaltet — Reaktor 1 seit dem 28.07.2026, Reaktor 2 seit dem 13.08.2026. Damit fehlen Rumänien rund 20 % seiner Stromproduktion. Alle Kraftwerke wurden zum Betrieb an der Leistungsgrenze angewiesen, über 400 MW zusätzliche Erneuerbaren- und Speicherkapazität beschleunigt genehmigt (davon rund ein Drittel Speicher) und Notlieferungen aus einem ukrainischen Kernkraftwerk vereinbart.

Die rumänische Regierung unter Ministerpräsident Ilie Bolojan erklärte am 31.07.2026 für 30 Tage — faktisch den gesamten August — den nationalen Alarmzustand im Energiesektor. Auslöser ist ein historisch niedriger Donaupegel: Der Fluss führt derzeit nur rund 1.600 m³/s, weniger als die Hälfte des für die Jahreszeit üblichen Wertes, und ein weiterer Rückgang um 100 m³/s gilt als möglich. Damit ist die Kühlwasserversorgung des Kernkraftwerks Cernavodă gefährdet. Die Regierung stellte 7 Mio. Lei aus dem Staatshaushalt für Sofortmassnahmen zur Umlenkung des Wasserdurchflusses an der Bifurkation Bala–Donau bereit und ruft die Bevölkerung zum freiwilligen Stromsparen in den Abendstunden auf. Fortschreibung (04.08.2026): Nach der kontrollierten Sprengung am Felsen bei Bala stieg der Pegel im Ansaugbecken des KKW Cernavodă am Morgen des 04.08.2026 um rund zwei Zentimeter; gegenüber dem prognostizierten täglichen Rückgang von ebenfalls rund zwei Zentimetern entspricht das einem Netto-Effekt von etwa vier Zentimetern oder knapp zwei zusätzlichen Betriebstagen für Reaktor 2. Kraftwerksdirektor Romeo Urjan rechnet ohne weitere Massnahmen mit einer Abschaltung von Reaktor 2 binnen fünf bis sieben Tagen; das geplante Versenken von Schuten bei Bala könnte weitere zwei bis drei Tage bringen (Quelle: Mediafax, Antena 3 CNN). Fortschreibung (07.08.2026): Das Energieministerium richtete am 07.08.2026 eine förmliche Frühwarnung an die Europäische Kommission und die zuständigen Behörden der übrigen Mitgliedstaaten: Die hydrologische Dürre und der niedrige Donaupegel näherten sich der kritischen Schwelle für den sicheren Betrieb des Kraftwerks. Reaktor 1 war bereits am 28.07.2026 vom Netz genommen worden; eine Abschaltung von Reaktor 2 würde nach Darstellung des Ministeriums rund 10 % der rumänischen Stromproduktion kosten. Eine negative Auswirkung auf den Strombinnenmarkt bestehe derzeit nicht. Die Warnstufe gilt, bis der Donaudurchfluss den sicheren Betrieb von Reaktor 2 wieder zulässt, den Wetterprognosen zufolge aber frühestens ab dem 15.08.2026 (Quellen: Mediafax, Economedia.ro, Capital.ro). Fortschreibung (13.08.2026): Reaktor 2 des KKW Cernavodă wurde am 13.08.2026 kontrolliert abgeschaltet, weil der Donaupegel die Kühlung nicht mehr sicherstellte. Damit sind erstmals beide Blöcke gleichzeitig vom Netz; das Kraftwerk deckt normalerweise rund ein Fünftel der rumänischen Stromerzeugung. Kraftwerksdirektor Romeo Urjan rechnet nicht mit einem Wiederanfahren innerhalb der folgenden zehn Tage. Der Ausfall soll über Windkraft und Stromimporte aufgefangen werden; als letztes Mittel sind abendliche Verbrauchsbeschränkungen für Industriekunden vorgesehen. Auf fast zwei Dritteln der Donau lagen die Durchflusswerte im Juli auf dem niedrigsten Julistand seit 34 Jahren. Zuletzt war das Kraftwerk 2003 dürrebedingt heruntergefahren worden (Quelle: Euronews, 13.08.2026). Fortschreibung (25.09.2026): Laut Energie-Staatssekretär Cristian Bușoi ist ein Wiederanfahren der beiden Cernavodă-Blöcke im September ausgeschlossen und wegen weiter sinkenden Donau-Durchflusses frühestens gegen Mitte Oktober 2026 realistisch; der Ausfall wird vor allem durch Stromimporte gedeckt (Economedia/Digi24, 25.09.2026). Fortschreibung (01.10.2026): Mit einem neuen Regierungsbeschluss darf Transelectrica die Sicherungsmassnahmen für das Stromnetz fortführen, notfalls bis zu gestaffelten Verbrauchsbeschränkungen; laut Begründung bietet die Prognose für den Donau-Durchfluss keine sichere Aussicht, dass im Oktober 2026 auch nur einer der beiden Cernavodă-Blöcke wieder anläuft (Știripesurse/Mediafax, 01.10.2026). Fortschreibung (27.10.2026): Energieminister Dumitru Chisăliță stellte das Wiederanfahren eines Cernavodă-Reaktors um den 15.11.2026 in Aussicht, falls die Prognosen zum Donau-Abfluss halten; beide Blöcke sind weiter abgeschaltet (Newsweek România, 27.10.2026).

Quelle: agerpres.ro ↗ · Archivkopie ↗

Weitere Quellen: stiripesurse.ro ↗ (Archivkopie ↗) · newsweek.ro ↗ (Archivkopie ↗)

Beleglage: 3 unabhängige Quellen · Berichtslage (nicht unabhängig bestätigt) · Archivkopie gesichert · Wie gut belegt ist Eurotrack?

✉ Fehler melden

Mehr aus: 🇷🇴 Rumänien

Im Tracker öffnen →